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Pressefotos und Abbildungsnachweise
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Pressemitteilung Nr. 51/ Berlin, den 17. September 2009
Sechs Richtige! Louis Braille und die Blindenschrift
Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin würdigt den vor 200 Jahren geborenen Erfinder der Sechs-Punkte-Schrift
„Sechs Richtige!“, das klingt nach Jackpot! Und in der Tat stellt Louis Brailles Erfindung des auf sechs Punkten basierenden Schriftsystems bis heute einen Hauptgewinn für blinde Menschen dar. In der Ausstellung „Sechs Richtige! Louis Braille und die Blindenschrift“, die das Museum für Kommunikation Berlin vom 18. September bis zum 13. Dezember 2009 zeigt, können die Besucherinnen und Besucher nun die Errungenschaft des vor 200 Jahren geborenen Franzosen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Die vom Deutschen Blinden-Museum Berlin konzipierte Schau beleuchtet im Internationalen Louis Braille-Jahr den Siegeszug der nach ihrem Erfinder benannten Brailleschrift – von den Anfängen bis hin zur ihrer Anwendung im Computerzeitalter.
Vom Beginn der Blindenbildung über Brailles Erfindung sowie die technischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts bis hin zu aktuellen Lernmitteln, Büchern und Alltagsobjekten macht sie die Geschichte sowie das Prinzip der Punktschrift erleb- und begreifbar. Zahlreiche Exponate des Deutschen Blinden-Museums Berlin sowie aktuelle Objekte und Hilfsmittel führen vor Augen, wie blinde Menschen heute die Punktschrift im Alltag nutzen.
Anfassen ausdrücklich erlaubt!
Louis Braille (1809-1852), der im Vorschulalter durch einen Unfall in der väterlichen Sattlerwerkstatt erblindet war, entwickelte bereits im Alter von sechzehn Jahren das ebenso einfache wie geniale Punktsystem, das sich bis heute auf der ganzen Welt als die Blindenschrift durchgesetzt hat. Wie genial die Erfindung des Franzosen ist, können die Besucherinnen und Besucher mit ein bisschen Fingerspitzengefühl selbst erfahren, denn Anfassen ist in dieser Ausstellung ausdrücklich erlaubt. Sie zeigt nicht nur, wie Blindenschrift gelesen und geschrieben wird, sondern bietet viele Möglichkeiten zum Mitmachen. An interaktiven Stationen kann man beispielsweise testen, welcher Finger der empfindlichste ist oder wie man Punktschriftzeichen in Papier sticht. Ein Audioguide, gut lesbare Beschriftungen und Texte in Brailleschrift sorgen für eine völlige Barrierefreiheit für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen. Alle Vitrinen und Mitmachstationen sind zudem mit dem Rollstuhl unterfahrbar und gut einsehbar.
Louis Braille kommt auf den Punkt
Louis Braille besuchte zunächst mit sehenden Kindern die Dorfschule. Im Alter von zehn Jahren erhielt er ein Stipendium am „Königlichen Institut für junge Blinde“ in Paris, der weltweit ersten Blindenschule. Dort lernte er die von dem Artilleriehauptmann Charles Barbier für militärische Zwecke erfundene „Nachtschrift“ kennen, ein kompliziertes System aus Punkten und Silben. Braille vereinfachte diese Schrift, ersetzte die Silben durch Buchstaben und reduzierte die Anzahl der Punkte von zwölf auf sechs pro Zeichen. Mit diesem System aus 64 möglichen Varianten ließen sich sämtliche Buchstaben, die Zahlen von 0 bis 9 sowie mathematische Operationen darstellen. Drei Jahre später ließ Braille eine ebenfalls auf Punkten basierende Notenschrift folgen.
Hochschrift und Stachelschrift
Vor der Erfindung Brailles waren Blindenschriften lediglich tastbare Umsetzungen der lateinischen Schriften sehender Menschen. Ob die in Frankreich populäre Hochschrift oder die in Deutschland und Österreich genutzte Stachelschrift – stets mussten die Lettern mit den Fingern einzeln in verschiedene Richtungen abgefahren werden, da sich Buchstaben wie G, R und B ähnlich anfühlen. Entsprechend konnten Wörter mit dieser Methode nur sehr langsam erfasst werden und Sinn erfassendes Lesen blieb nur wenigen blinden Menschen vorbehalten. Das Schreiben lateinischer Buchstaben schließlich erwies sich trotz aller Mühen als nahezu unmöglich.
Der Siegeszug der sechs Punkte
Brailles wie bei einem Würfel angeordnete Punktschrift hingegen war den Besonderheiten des Tastsinns angepasst und konnte durch Hinübergleiten der Fingerkuppen in schnellem Tempo gelesen werden. Zum Schreiben benötigte man lediglich eine Lochtafel, ein Blatt Papier und einen Griffel, um die Punkte ins Papier zu drücken. Nun waren auch blinde Menschen in der Lage, selbst effektiv zu schreiben und sich untereinander auszutauschen. Dies stärkte sie in ihrem Selbstbewusstsein und letztlich auch in ihrer Fähigkeit, sich zusammenzuschließen und ihre eigenen Interessen zu vertreten. Braille erntete jedoch nicht überall Beifall, im Gegenteil, manche sehenden Pädagogen lehnten seine Schrift zunächst als „Geheimschrift“ ab, die die blinden Menschen angeblich von den Sehenden isoliere. Erst 1850 wurde die Brailleschrift offiziell für den Unterricht an französischen Blindenschulen eingeführt. In Deutschland unterrichtete man ab 1879 nach Brailles System. Den internationalen Siegeszug seiner Erfindung erlebte Braille nicht mehr. Er starb 1852 in Paris an Tuberkulose. 100 Jahre nach seinem Tod wurde Brailles Körper exhumiert und in das Panthéon in Paris überführt.
Mit sechs Punkten ins Computerzeitalter
Die ersten Bücher in Brailleschrift wurden mit einem Stichel durch eine von Braille konstruierte Schablone auf dickes Papier gestochen. Später erleichterten Blindenschriftmaschinen diese Übertragung. Damals ahnte noch niemand, dass die Punktschrift Brailles sich nicht nur in rasantem Tempo weltweit durchsetzen, sondern in den 1970er-Jahren spielend den Sprung ins Computerzeitalter schaffen würde. Blinde Menschen können heute auf einer unterhalb der PC-Tastatur angebrachten Leiste, der so genannten Braillezeile, den mittels beweglicher Stifte angezeigten Bildschirmtext Zeile für Zeile lesen und somit weitgehend barrierefrei kommunizieren, das Internet nutzen und anspruchsvolle Berufe ergreifen.
Im Rahmen der Ausstellung bietet das Museum für Kommunikation Berlin ein umfangreiches Begleitprogramm. Neben Workshops für Gruppen und Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer bietet das Museum während des gesamten Ausstellungszeitraums jeweils sonntags um 11 Uhr eine exklusive Führung mit den Ausstellungskuratoren an. Weitere Informationen zur Ausstellung gibt es unter www.blindenmuseum-berlin.de/6richtige.
Öffnungszeiten
Dienstag 9–20 Uhr, Mittwoch bis Freitag 9–17 Uhr, Samstag, Sonn- und Feiertag 10–18 Uhr
Eintritt
normal 3 EUR, ermäßigt 1,50 EUR
Freier Eintritt
Kinder und Jugendliche bis einschließlich 15 Jahre, betreute Schulklassen allgemein bildender und beruflicher Schulen, Freitag von 9–12 Uhr für Gruppen (ab 15 Personen)
Pressekontakt
Monika Seidel
Telefon (030) 202 94 109
Telefax (030) 202 94 110
E-Mail: m.seidel@mspt.de
www.mfk-berlin.deEine Ausstellung des Deutschen Blinden-Museums Berlin in Kooperation mit dem Blindenhilfswerk Berlin e.V., dem Allgemeinen Blinden- und Seh-behindertenverein Berlin e.V. und dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.
Die Ausstellung wurde gefördert von der Deutschen Behindertenhilfe – Aktion Mensch e.V.
Leipziger Straße 16
D-10117 BerlinTelefon +49 (0)30 202 94 0
Telefax +49 (0)30 202 94 110
E-Mail: mfk-berlin@mspt.de
www.mfk-berlin.de

- Louis Braille, Gemälde von Lucienne Filippi, 1966, nach einem verschollenen Porträt vom Totenbett. (Copyright Musée Louis Braille, Coupvray)

- Punktschriftbibliothek der Blindenschule in Berlin-
Steglitz, um 1925. (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)

- Braillezeile - Ausgabegerät für Brailleschrift am Computer. Die Funktion der Brailleschriftdarstellung basiert auf elektronisch gesteuerten Stiften, die als Punkt aus einer Fläche herauskommen, um Zeichen bzw. Worte in Punktschrift aufzubauen. Die Benutzer können mit ihren Fingerkuppen die Zeichen abtasten. Es gibt Braillezeilen, die 8, 20, 40 oder 80 Zeichen darstellen können. (Copyright DBSV Max Lautenschläger)

- Gewürzbehälter mit Punktschrift-Markierung. (Copyright Blindenhilfswerk Berlin e. V.)

- Lesende Hände - Obwohl meist nur ein Finger die Buchstaben erkennt, sollten zur besseren Orientierung im Text mehrere Finger die Zeile entlang gleiten. (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)

- Lesende Hände, farbig. (Copyright Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband, Max Lautenschläger)

- Lesende Schülerin. (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)

- Punktschriftmaschine Picht: Bogenmaschine, 1899 entwickelt von Oskar Picht, damals Lehrer an der königlichen Blindenanstalt Steglitz. Sie wurde zum Standardmodell der deutschen Punktschriftbogenmaschinen, hier: Ausführung von 1906. (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)

- Schreibendes Kind: 10-jährige blinde Schülerin schreibt auf der Punktschriftmaschine. (Copyright Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegründet 1874 e.V.)

- Lesendes Kind: 10-jährige blinde Schülerin liest einen Text in Punktschrift. (Copyright Allgemeiner Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin gegründet 1874 e.V.)

- Stenografin - eine blinde Bürofachkraft überträgt Texte vom Streifenschreiber (Punktschrift) auf eine normale Schreibmaschine (Schwarzschrift für sehende Menschen). (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)

- Sticheltafel und Griffel zum Schreiben von Brailleschrift mit der Hand. Hierzu muss ein Papier in den Rahmen eingelegt werden. Die Schriftzeichen müssen von rechts nach links spiegelverkehrt mit dem Griffel eingestochen werden. (Copyright Deutsches Blinden-Museum Berlin)